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13.08.2019

NEUBRANDENBURG - historisch und alltäglich | Gisela Oertel

Zum Geleit

Selten findet sich im Wechselausstellungsprogramm des Regionalmuseums Neubrandenburg die Zusammenstellung von Kunst eines einzelnen Künstlers. Es sind eher Bezüge zu historischen Ereignissen der städtischen oder regionalen Geschichte, die mithilfe von einzelnen Kunstwerken illustriert oder beschrieben, vertieft oder kommentiert, emotional oder pragmatisch verknüpft werden. Dies entspricht eher dem Profil des Heimatmuseums für eine Stadt von etwas mehr als 60000 Einwohnern, eine Stadt mit peripherer Insellage zwischen den Metropolen Berlin und Szczecin sowie den deutschen Hansestädten an der Ostseeküste, eine Stadt an der Grenze zu Pommern im Osten Mecklenburgs.

Viele Jahre im künstlerischen Schaffen von Gisela Oertel sind unmittelbar mit der Vier Tore Stadt am Tollensesee verbunden. Neubrandenburg war ihr Arbeits- und Wirkungsort von 1965 bis 1989. In diesen Jahren bekam die Stadt ein sozialistisches Antlitz, was in der unmittelbar anschließenden Sonderausstellung des Museums im Franziskanerkloster mit dem Thema: „Nur Beton? – Neubrandenburg und die Moderne“ beleuchtet werden soll. Einige Motive von Gisela Oertel stimmen darauf ein.

Doch die Präsentation der Kunstwerke von Gisela Oertel ermöglicht den Blick über die Zeit in Neubrandenburg und über deren historischen Stadtkern, über die mittelalterliche Stadtmauer mit den vier prachtvollen, gotischen Tore hinaus. Mit ihren Kunstwerken, von denen sich auch im Bestand des Museums ausgewählte Arbeiten befinden, gelingt der Blick in Vergangenheit und Zukunft, in bzw. auf unsere norddeutsche Landschaft und bescheidene Urbanität mit ihren Bewohnern und Gästen. Sie sind kein reines Spiegelbild, sondern sinnbildliche künstlerische Auseinandersetzung mit dem Konkreten, um Allgemeines zu entdecken. Sie stehen für eine bemerkenswerte künstlerische Entwicklung in den letzten 50 Jahren bis zum diesjährigen Geburtstagsjubiläum. Herzlichen Glückwunsch.