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Leuchtgas oder Stadtgas - alles hatte seinen Preis

Fast täglich werden wir in irgendeiner Weise mit den Themen erneuerbare Energien, fossilen Brennstoffen, mit Gasverbrauch und Gaspreisen konfrontiert. Im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts spielte die Gasversorgung in den Städten eine zunehmende Rolle. Die Gasanstalt Neubrandenburg wurde 1867 errichtet. Ab Mitte 1890er Jahre erhöhte sich der Gasbedarf in Neubrandenburg rasant, denn neben Gas zum Betrieb der Gaslaternen wurde mehr und mehr Gas für Motoren und für Koch- und Heizzwecke benötigt. So wandelte sich das „Leuchtgas“ zum „Stadtgas“.

Die Gasanstalt bekam einen neuen Gasometer. In der Neubrandenburger Zeitung vom 10.01.1907 wurde berichtet:

„Zurzeit wird der neuerbaute Gasometer auf der Gasanstalt mit Wasserfüllung versehen. Der Wasserraum befindet sich zwischen Glocke und äußerem Mantel und dient als Luftabschluß. Vierzig Arbeiter müssen 72 Stunden unter Zuhülfenahme der Nachtstunden tätig sein um den Dichtungsraum, der nicht weniger als 1200 Kubikmeter Wasser faßt, zu füllen. Die Füllung geschieht mittelst des Städtischen Wasserzubringers vom angestauten Wallgraben aus.

Die Arbeiter pumpen abwechselnd in zwei Schichten, und für die jeweilig Ausruhenden sind an der Pumpstelle 2 Kohlenöfen zur Erwärmung aufgestellt. Am Donnerstag Abend wird der neue Gasometer, aus dem nun zunächst die Luft ausgetrieben und durch Gas ersetzt werden muß, bereits Gas an die Stadt abgeben.“

Mit der Zunahme des Gasverbrauchs und der zunehmenden Bedeutung von Gas für Betriebe und Privathaushalte stand auch der Gaspreis oft im Mittelpunkt von Begehrlichkeiten und Haushaltsdebatten. Nachdem die Repräsentanten der Stadt 1898 in einem Regulativ beschlossen, „… das der Preis für Leuchtgas beibehalten, das der selbe aber für Koch=, Heiz= und Motorengas von 18 auf 15 Pfg. pro Cubikmeter heruntergesetzt ist“ veröffentlichte die Neubrandenburger Zeitung vom 29. Januar 1901 einen Bericht von der Generalversammlung des Bürgervereins, in dem die Herabsetzung der Gaspreise erneut gefordert wurde. Unter Punkt 3 der Tagesordnung wurde folgendermaßen argumentiert:

„3. Punkt der T.=O., betreffend die Verbilligung der hiesigen Gaspreise, rief eine sehr lebhafte Debatte hervor. Zunächst wurde betont, daß die Preise, welche hier für Leuchtgas und für Motorgas bezahlt werden, 25% theurer sind als anderswo. Man war der Ansicht, daß die Anlage der hiesigen Gasanstalt nicht mehr auf der Höhe der Zeit stehe. Anderswo seien Einrichtungen geschaffen worden, um aus der Kohle mehr Gas zu gewinnen; dies sei gelungen. Besonders wurde hervorgehoben, daß die Kosten für die Anlage von Hausleitungen ungewöhnlich hoch seien. Die Preise, welche für das gelieferte Material zu zahlen seien, zeigten auf eine Zeit zurück, wo die Gasbeleuchtung noch als eine Seltenheit galt. Vor Allem müsse man doch zugeben, daß das Gas bei größerem Consum auch billiger geliefert werden könne. Beschlossen wurde, eine Petition an die Bürgerrepräsentanten zu richten, auf eine Verbilligung der Gaspreise einwirken zu wollen.“

Regelmäßig wurde der Betriebsbericht des Gaswerkes in der Tagespresse veröffentlicht.

08.02.2026