Sorgen um die Wallanlagen vor 120 Jahren
Ein Mitbürger hat sich im März 1906 in der Neubrandenburger Zeitung in einer sehr emotionalen Leserzuschrift darüber beschwert, dass den Wallanlagen zu viel Schaden zugefügt wird. Er schrieb u.a.:
„…wie die Wallanlagen von spielenden Kindern zertreten werden, trotzdem bei den Durchbrüchen schon 4 Spielplätze angelegt sind und einer mutmaßlich noch am Fangelturm geschaffen werden wird, und wie da nicht blos häßliche Fußsteige getreten werden mit ihren zerstörenden Konsequenzen auf Büsche und Bäume, sondern wie auch den kleinen Singvögeln, die jetzt zurückkehren und eine Brutstätte suchen, der Platz und die Ruhe zum Nisten immer mehr eingeengt wird…“
Daraufhin hat sich der Verschönerungsverein der Sache angenommen. In der Neubrandenburger Zeitung vom 19.05.1906 wird berichtet:
„Der Verschönerungsverein hat auch in diesem Frühjahr eine erfreuliche Tätigkeit entwickelt. Außer den alljährlich wiederkehrenden, sich vernotwendigenden Ausbesserungsarbeiten auf dem Wall und sonstigen Anlagen der Stadt sowie Anpflanzungen von Gebüsch für eingegangenes Strauchwerk treten einzelne größere Arbeiten, die in den letzten Wochen ausgeführt sind, besonders hervor; andere, und darüber berichteten wir bereits, stehen noch bevor. So ist nach dem Arbeitsprogramm des Vereins der dreieckige Platz zwischen dem Schulhofe der Knabenbürgerschule und dem Friedhofsweg, der seit Jahren ein unwirtliches Aussehen hatte, in eine freundliche Anlage verwandelt worden. Auch bei dem Prillewisse=Denkmal am Zingel vor dem Friedländer Tor, das im vorigen Jahre eine erfreuliche Renovierung erfahren hat, sind noch Veränderungen vorgenommen worden; die das Denkmal umgebende Steingrotte ist erhöht und vergrößert worden und trägt jetzt wesentlich besser zur Hebung des schlichten, von Anlagen umgebenen Gedenksteines bei.
Das bis dahin sehr versteckt liegende Boll=Denkmal auf der Südseite des Marienkirchplatzes ist durch Entfernung von Bäumen und Beschneiden des umgebenden Strauchwerkes den Blicken zugänglich gemacht, auch ist das Denkmal selbst renoviert worden und hat einen neuen Farbanstrich und Auffrischung der Inschrift erhalten. Durch die Aufstellung von Ruhebänken am neuen Badeweg und auf den Wällen ist den Wünschen des Publikums Rechnung getragen. Das Gesträuch der Wall=Anlagen hat im Laufe des Frühjahres zum Teil starkes Zurückschneiden erfahren, auch sind höhere Gebüsche stellenweise entfernt. Man nahm im Publikum an, daß dadurch der Vogelwelt geeignete Stellen zum Brüten genommen würden.
Es ist aber dies gerade geschehen, um ein dichteres Wachstum des niederen Buschwerkes zu fördern, sodaß den kleinen gefiederten Sängern noch mehr und geschütztere Brutplätze geschaffen werden. Es ist erfreulich, daß in unserer Stadt so sehr viel zur Verschönerung der näheren und weiteren Umgegend getan wird. Daß dies von allen Kreisen des Publikums gewürdigt wird, würde dadurch gezeigt werden, daß die Anlagen noch mehr in Schutz genommen würden. Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, daß die mit Anlagen versehenen Plätze, Moltkeplatz und der Platz an der Linde etc., nicht von Kindern, die ohne Begleitung Erwachsener sind, als Spielplätze zu benutzen sind. Neben den Hinweisungen durch die Schule sollten die Eltern ihre Kinder, besonders die kleineren, anhalten, die an fast allen Durchbrüchen der Stadmauer angelegten Spielplätze aufzusuchen. Auch der Marienkirchplatz wird sehr viel als Spielplatz benutzt. Da die Anlagen jetzt zum Teil neu angesamt sind, so ist die Mahnung, dieselben zu schützen, jetzt wieder besonders angebracht.“